Ebru Malerei


Ebru ist die Kunst des Marmorierens und Malens auf Wasser. Heutzutage ist diese Kunst im Deutschen als „marmoriertes Papier“ bzw. „türkisches Papier“ bekannt.

Der Name „türkisches Papier“ rührt daher, dass die Ebru-Malerei im 15. Jahrhundert von türkischen Künstlern übernommen und die spezifischen Techniken auch von den türkischen Künstlern verfeinert wurden.

Die Herstellung von traditionellem handgemachten Marmorpapier gleicht der eines Marmorschnitts. Ein flaches Becken wird mit der sog. Schlichte gefüllt; dies ist eine Gallerte, die durch Auflösen von Tragantgummi in Wasser, Aufkochen von Irländischem Moos (auch Carrageen- Moos, Chondrus crispus) oder durch eine Lösung von Methylcellulose in Wasser hergestellt wird. Die Schlichte wird abgestrichen. Nun werden auf die flache Oberfläche des Leimbades Aquarellfarben aufgebracht, die mit Ochsengalle versetzt sind. Dieser Zusatz dient der Herabsetzung der Oberflächenspannung der Farbe, damit diese sich auf der Oberfläche der Schlichte ausbreiten kann. Die Farbe kann sich wegen der Konsistenz der Schlichte nicht mit dieser selbst oder den anderen Farben vermischen. Daher können die Farben nun mit verschiedenen Techniken in ornamentale Schlierenmuster gebracht werden, die tlw. natürlichem Marmor ähneln – daher der Name ‚Marmorpapier‘. Nun wird ein starker Papierbogen, der zuvor mit Alaunwasser gebeizt wurde, vorsichtig auf das Leimbad gelegt und anschließend wieder abgehoben. Die Farbe bleibt am Papier haften. Anschließend werden die Reste der Schlichte mit Wasser abgespült. Die Beize mit Alaunlösung dient dazu, dass die Farbe bei dem Abspülen der Leimreste nicht mitabgespült wird. Die Farbe verbindet sich beim anschließenden Trocknen dauerhaft mit dem Papier. Neben der traditionellen Herstellung mit Aquarellfarben kann auch mit Ölfarben marmoriert werden. Diese Technik erlaubt es auch ohne eine Gallerte als Grund in einem bloßen Wasserbad zu marmorieren. Allerdings bleiben die Ergebnisse im Regelfall deutlich hinter denen des Marmorpapiers auf Basis von Aquarellfarben zurück, da sich die Musterung des Papiers nicht so weitgehend wie bei der traditionellen Herstellung kontrollieren lässt.

Mit Ölfarben marmorierte Papiere haben insbesondere ein spezifisches körniges Aussehen, das nicht der Feinheit eines Marmorpapiers auf Aquarellbasis entspricht. Je nach der Art der Aufbringung der Farben (Spritzen, Tupfen, Sprühen usw.) und der anschließenden Behandlung entstehen verschiedene Ornamente. Besonders typisch sind getupfte Muster, die echtem Marmor am nächsten kommen, sowie wellenartige Muster, die entstehen, wenn man mit einem Kamm durch die Farbschicht (sog. Kamm-Marmor) fährt. Aus der Türkei stammt etwa der Brauch, Blütenbilder auf den Leim zu zeichnen.

Marmorpapier ist ein besonders hochwertiges veredeltes Papier: Jeder Bogen stellt ein Unikat dar, da sich die Muster auch bei gleichem Vorgehen nicht genau wiederholen; zudem tritt auch innerhalb eines Bogens keine exakte Wiederholung des Musters auf.

Obwohl „Ebru“ übersetzt Wolke bedeutet, zeigen viele Kunstwerke keineswegs Wolken Hauptsächlich werden oft wunderschöne florale Motive, Kalligrafien, Blütenformen, ganze Landschaften und sogar verschiedene Gesichtszüge bzw. Gesichtsausdrücke dargestellt. Ebru ist auch immer die Bereitschaft, die Farbe bis zu einem gewissen Grad ihren eigenen Weg finden zu lassen, der Phantasie zu folgen und daraus dann ein Bild zu schaffen.

Die Kunst des Ebru ist geheimnisumwittert, denn die Herstellung der Kunstwerke ist schwierig und viele Künstler halten ihre Technik, ihre Mischung für die Wanne und die Farben verborgen.

Trotzdem sieht sich der Marmorierer in seiner Arbeit immer noch mit einem insgeheim wirkenden, unvorhersehbaren und unkalkulierbaren Moment konfrontiert.

Der Ebru-Malerei kommt auch in der spirituellen Gemeinschaft des Islams eine Rolle zu. In den Sufigemeinschaften des Osmanischen Reiches wurde das komplexe Herstellungsverfahren des marmorierten Papiers als ideale meditative Versenkung geübt. Sogar den Motiven bzw. den Marmormustern, die hauptsächlich aus Blüten bestehen, kann man wie den verwendeten Farben durchaus auch metaphorische Bedeutungen zuweisen. Dabei werden immer die Fragen der Unendlichkeit, der Weisheit und das Verhältnis von Schöpfung und Mensch berührt.

Die Kunst der Ebru-Malerei vereint Menschen aus den verschiedensten Kulturen und Hintergründen und vermittelt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es ist nicht nur ein beruhigender Vorgang für den Künstler, sondern auch für die Kunstliebenden und wird mittlerweile auch zu therapeutischen Zwecken benutzt.

Auch ist sie ein Sinnbild für unsere bunte Gemeinschaft, da die Farben im Wasser miteinander harmonieren, ohne ihre Eigenart durch Vermischen aufzugeben.